András Gál gehört zu den wenigen Malern, die sich seit vielen Jahren konsequent und kompromisslos der monochromen Malerei verschrieben haben. Was für viele andere nur eine Zwischenphase oder ein Extrem- und Umschlagpunkt ihrer malerischen Entwicklung ist, stellt für ihn eine geradlinige und unumstößliche Strategie dar. Die Rezeption der monochromen Malerei ist zu großen Teilen von einer Rhetorik des Verzichts bestimmt. Das Malen einer einzigen Farbe pro Bild wird dabei als Beschränkung, Reduktion oder Minimalismus empfunden. Monochromie erscheint folglich als eine asketische künstlerische Praktik, die sich bewusst der Vielfalt malerischer Möglichkeiten verschließt. Wenn man sich jedoch intensiver mit dem Werk von András Gál befasst, kommt man leicht zu der gegenteiligen Auffassung, dass seine Verwendung der Farbe eine Großzügigkeit darstellt, eine Geste des Überschusses: Farbe satt – Exzess und Verschwendung (im Batailleschen Sinne). Man sollte in Erinnerung behalten, dass zu den prägenden Einflüssen Gáls während seiner Akademiezeit das Erlebnis der Materialbilder des Wiener Aktionisten Otto Muehl mit ihrer ekstatischen, Kunst und Leben zusammenzwingenden Grundstimmung gewesen ist.
Vielleicht ist das Wort Monochromie schon mehr eine Interpretation als eine Beschreibung von Gáls Malerei. Es unterstellt, dass es ihm primär um chroma, um Farbe als Farbe, geht. Eine zunächst überraschende Aussage von András Gál in einem Interview von 2013 lautet: „Ich betrachte mich nicht als Farbmaler.“ Um dies zu verstehen, muss man sich nur anschauen, wie die gemalte Farbe bei ihm in Erscheinung tritt. Von entscheidender Bedeutung ist dabei die Faktur seiner Bilder, die Art, wie die Farbe auf dem Bildträger verteilt ist. Bei seinen neuesten hellgrauen, weißen und gelben Gemälden, die entweder als 50x50 Zentimeter messende Quadrate (und das heißt: richtungsneutral) oder aber als extreme Querformate von 30x60 Zentimetern angelegt sind, werden die Bildseiten, anders als in den vergangenen Jahren, nicht bemalt. So bleiben die beiden materiellen Konstituenten des Gemäldes – die rohe Leinwand als Bildträger und die darauf sitzende Ölfarbe – in ihrem Verhältnis zueinander deutlich ablesbar. Typisch für Gáls Bilder ist die mal feinere, mal gröbere Strukturierung der Oberflächen, der Rhythmus der Grate, Vertiefungen und Schrunden im Farbmaterial, all die Spuren des Malprozesses, d. h. des Verteilens der Ölfarbe mithilfe von Spateln und Farbrollen. Bei Gál wirkt die Farbe mit ihrem leichten Glanz immer frisch, sie hat stets die Anmutung von Feuchtigkeit und pastoser Fülle. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass sich Farbe bei ihm nicht als vibrierendes visuelles Feld oder als Farbraum präsentiert, in den man als Betrachter kontemplativ eintaucht, sondern eben als auf dem Bildgrund verteilte materielle Substanz. Der Farbwert des Pigments ist angesichts dieser sinnlichen materiellen Präsenz sekundär.

Peter Lodermeyer kunshistoriker Bonn